Kindheitsentwicklung ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen

Die folgende Übersicht (nach Hellbrügge  in Handbuch der Kinderheilkunde, Bd II/1, Springer Verlag, Berlin 1966) soll keinesfalls aussagen, daß jedes Kind genau diese Entwicklungsabschnitte aufweisen muß. Vielmehr soll sie einige Anhaltspunkte geben, worauf Eltern bei ihren Kindern achten sollten und worüber sie sich keine Sorgen machen müssen. Aber das Ausbleiben mehrerer Entwicklungsstufen müßte mit dem Kinderarzt besprochen werden.

Alter Motorik Feinmotorik Sinnesorgane Sprache Schlafen Sozialer Kontakt
Neuge-
borenes
zahlreiche Bewegungen kleinerer oder größerer Muskel- gruppen, auch Zuckungen der Lippen, die an ein Lächeln erinnern ("Stäupchen") spontane unbewußte Greifbewe- gungen, Griff mit 4 Fingern ohne Daumen ("Affenhand") reagiert auf nasse Windeln, auf Hautreize, extreme Licht- und Geräuch- einwirkungen unbestimmte Laute Schlafen und Wachen über Tag und Nacht gleich

Schlafdauer 16-18 Std/Tag in kurzen Perioden, leicht durch Hunger zu stören 

ausschließlich über Reize der Haut und Schleimhäute
1. Monat hebt in Bauchlage vorübergehend 
den Kopf

Seitenlage von Kopf und Arm

Hände oft zur Faust geschlossen.

Handschluß bei Beruhührung. ("Affengriff")

Läßt Spielzeug sofort fallen

reagiert auf optische und akustische Reize durch Hinwenden des Kopfes.

sucht Licht des Fensters

wenige Kehllaute, schnorchelnde Geräuche bei Nacht 4-5 Schlafperioden, über Tag und Nacht noch weitgehend gleich verteilt; Nachtschlaf überwiegt etwas

Schlafdauer etwa
15 Std/Tag

vorwiegend über Hautreize (Wohlbefinden im warmen Bad; Beruhigung durch Stillen, Aufnehmen und körperliche Berührung
2. Monat  hebt den Kopf in Bauchlage hoch   lauscht auf Geräuche und Töne,

lernt mit den Augen fixieren

  Ausdehnung der nächtlichen Schlafperiode. Schlafdauer etwa
14 Std./Tag
Beginn einer freudigen Reaktion beim Anblick der Mutter
3. Monat Freude am Strampeln, kann sich aus der Rückenlage auf den Bauch drehen, steckt Zehen in den Mund versucht mit den Fingern zu greifen fixiert bewegte Gegenstände, verfolgt sie mit den Augen. Betrachtet einen Gegenstand in seiner Hand, schaut die Hände vor seinem Gesicht an zufälliges Auftreten von Lallen tagsüber gesteigerte Aktivität:
ausgedehnter Nachtschlaf
10 Std./Tag Gesamtschlaf- dauer
13-14Std./Tag 

Dauer des Mittagsschlafes 1,5 Std.

40% der Kinder morgens gegen 5 Uhr wach

reagiert mit Lächeln wenn sich ihm ein Gesicht zuwendet und sich bewegt
4. Monat symmetrische Haltung, sitzt mit Unterstützung kürzere Zeit betätigt die Arme, wenn es einen Gegenstand sieht.
Kann kratzen und greifen.
Hält Gegenstände mit 4 Fingern und Handfläche ohne Daumen.
Schlägt Hände zusammen.
nimmt Umgebung in Augenschein, ist vom einen zum anderen Gegenstand umlenkbar, lauscht der menschlichen Stimme. gluckst, gurrt bei Zufriedenheit. Plappern und Schreien in rascher Folge sich ablösend bemerkt menschliche Stimmen, erkennt seine Mutter, lächelt seine Mutter an
5. Monat Hält Kopf im Sitzen aufrecht;
streckt auf dem Bauch liegend den Arm aus
greift bei Berührung nach Gegenständen fixiert eine kleine Kugel,
verfolgt auf dem Rücken liegend, ein verlorengegangenes Spielzeug 
beschäftigt sich morgens und abends mit Lautbildung deutlicher Unterschied: nachts Schlaf; tagsüber Wachen. Nachtschlaf zwischen 19.00 und 5.00 Uhr
(10 Std.).

Nickerchen am Vor- und Nachmittag von je 1-1,5 Std.;


Gesamtschlafdauer
13-14 Std./Tag

weint, wenn Menschen von ihm fortgehen
6. Monat rollt aus der Rückenlage in die  Bauchlage und umgekehrt  beginnt, unter Einsatz des Daumens zu greifen, noch geringe Fingerfertigkeit unterscheidet Flasche von Puppen Konsonant "m-m" wird beim Schreien hörbar Nachahmen eines fröhlichen oder erzürnten Gesichtsausdrucks
7. Monat sitzt kurz allein, macht Anstrengungen, selbst zu stehen, strampelt fest sehr beschäftigt mit den Händen, greift mit der ganzen Hand, nimmt Spielzeug von einer Hand in die andere, schüttelt es betrachtet Gegenstände außerhalb seiner Reichweite, beobachtet Dinge seiner Umgebung spricht mit seinem Spielzeug,
Freude an der Lautbildung
Wachen ausschließlich am Tag, Schlafen in den Nachtstunden zwischen 18.00 und 6.00 Uhr.
30% der Kinder sind um 5.00 Uhr früh wach.


Mittagsschlaf von 1,5-2 Std. zwischen 13.00 und 15.00 Uhr.


Gesamtschlafdauer 12-14 Std./Tag

aktives Kontaktsuchen,
Angst beim Anblick von Fremden ("Fremdeln")
8. Monat dreht sich in der Bauchlage um eine senkrechte Achse hält eine Gegenstand fest, greift nach ihm,

zerbeißt, kaut und betrachtet Spielzeug

betrachtet und greift nach einem Gegenstand. Schließt die Augen, wenn man einen Gegenstand an sein Gesicht bringt bringt selbstständig unartikulierte Laute und hohe Quietschtöne heraus organisiertes Versteckspielen
9. Monat sitzt allein, richtet sich von allein wieder auf steckt 2 Würfel ineinander, ißt selbsständig Keks schreit, um auf sich aufmerksam zu machen, oder wenn es gereizt oder behindert wird      fröhlich im Kreise der Familie, Fremden gegenüber scheu
10. Monat zieht sich am Seitengeländer des Bettchens auf die Füße hoch, kriecht hebt durch Zangen-Spreizgriff mit Daumen und Fingern einen Gegenstand hoch, läßt ihn ungeschickt fallen beobachtet während des Spieles im Wagen gelegentlich seine Umgebung       hat Freude an der Familiengruppe, ist aber am liebsten mit einem Menschen allein,

lenkt Aufmerksamkeit des Erwachsenen auf sich.

11. Monat dreht sich im Sitzen nimmt Spielsachen vom Tisch auf den Stuhl;
kann leicht und geschickt loslassen
beobachtet Autos, Hunde, Fußgänger plappert Mama, Nana, Dada in verschiedenen Tonhöhen  Aufwachen zwischen 5.00 und 7.00 Uhr,
Mittagsschlaf
2-3 Std.

Schlafdauer etwa 12 Std./Tag

spielt Versteck, ziemlich ängstlich in fremder Umgebung,
Reagiert auf seinen Namen und "Nein,nein" (Verbot)

Alter Motorik
einschließlich Feinmotorik
Sprache Spiele Wahrnehmen der Umwelt Sozialer Kontakt
1 Jahr kriecht Stufen hinauf,
geht an der Hand
außer "Papa" und "Mama" 2 weitere Wörter turnt im Laufstall, zieht sich am Gitter hoch, tappt herum, legt ein Spielzeug in ein Gefäß und holt es wieder heraus beobachtet vom Wagen aus Autos, Fußgänger, Hunde, betrachtet aus dem Fenster Autos und Bäume unterschiedlose Zuneigung,
wiederholt Dinge, über die man lacht, schreit, um auf sich aufmerksam zu machen, will manches selber tun
1,5 Jahre läuft allein,
klettert auf den Stuhl, blättert mehrere Seiten zusammen in einem Buch um
Wortschatz 10-20 Wörter,
reagiert auf "Winke-Winke", "da", "eia", "Auto", unterstützt seine Wörter durch Gesten
wechselt gern das Spielzeug Puppen, Teddy, Töpfe.
Kurze Aufmerksamkeitsspanne.
Baut einen Turm aus 4 Bauklötzen, spielt mit dem Ball im Stehen
kurze Aufmerksamkeitsspanne, beobachtet die Tätigkeit Erwachsener, ahmt sie nach,
verfolgt vom Fenster Leute, Flugzeuge usw.
wird zur Mutter liebevoller, drückt Puppe ans Herz, freut sich über "Kuckuckspielen", Verstecken;
roh im Umgang mit Kindern und Tieren, tritt, stupst, zieht sie
2 Jahre läuft ohne hinzufallen, geht mit Beinnachziehen Treppe hinauf,
setzt Spielzeug zusammen;
kann eine Seite im Buch umblättern, den Türknopf drehen
spricht Sätze mit 3 Wörtern.

Wortschatz:
100-200 Wörter

beginnt ausdauernder zu spielen,
spielt gern mit Wagen, Autos und Rädern in Sand und Wasser
freut sich über einen in Bewegung befindlichen Gegenstand,
findet ein Bild in einem Bilderbuch wieder
erkennbare Zuneigung zur Mutter, nicht eifersüchtig auf Spielzeug anderer, Schlägt Kinder auf den Kopf, Annäherung an andere Kinder, umarmt sie zu fest, schlägt oder beißt sie eventuell 
2,5 Jahre geht auf Zehenspitzen, rennt bei Spaziergang vorwärts und bleibt zurück, malt vertikale und horizontale Linien Wortschatz:
500 Wörter,
benutzt die Sprache zu Selbstgesprächen, verwendet erstmals "ich", "mich", "du"
macht einfache Bauten aus Bauklötzen, spielt gern gleichzeitig mit mehreren Spielsachen, trennt sich nicht gern von seinem Spiel  beobachtet von fern Autos und Eisenbahn, kennt bestimmte Dinge auf einem vertrauten Wege wieder, lauscht einfache Erzählungen Zuneigung in Form von Kußzeremonien, extreme Angriffslust gegen Fremde und andere Kinder, macht vielfach Gegenstände entzwei, besteht auf festen Zeremonien, Eifersucht auf jüngere Geschwister
3 Jahre kann kurze Zeit auf einem Fuß stehen, steigt mit beiden Beinen nacheinander die Treppen hinauf fließende und sichere Sprachbeherrschung, läßt sich  mit Worten lenken, interessiert sich für neue Wörter, beginnt mit 3,5 Jahren zu stottern folgt beim Spiel seiner Phantasie, bleibt längere Zeit mit demselben Gegenstand beschäftigt kann "Bilder in einem Buch lesen", beobachtet Tätigkeit der Mutter in der Küche, schaut bei Baustellen zu, kann einen Kreis nachmalen freundlich, hilfsbereit, entegegenkommend,
beginnt mit anderen Kindern zu spielen, weniger eifersüchtig auf Geschwister, körperliche Aggressivität läßt nach, dafür mehr Schimpfworte
4 Jahre macht Sprünge auf der Treppe, übt gern Gleichgewicht, begansprucht mehr Raum, zeichnet Gegenstände mit wenigen Einzelheiten, kann ein Quadrat abzeichnen, benutzt Schere, bindet Schuhe Wortschatz über 1500 Wörter, erzählt Geschichten, fragt unentwegt "warum", "wie", gebraucht Schimpfworte, zeigt viele grammatische Fehler, kann 5 Richtungen voneinander unterscheiden zeichnet gern, entwirft mit Puppen und Baukasten Szenen aus dem Leben, läßt Werke bewundern, spilet Erwachsenenrollen erkennt einzelne Buchstaben, kann ein Quadrat abzeichnen, kann eine oder mehrere Farben bestimmen will mit anderen Kindern spielen, streitsüchtig, meidet Erwachsene, ungeduldig gegenüber jüngeren Geschwistern, eifersüchtig wenn Vater und Mutter beisammen sind, Aggressivität vorwiegend in Worten
5 Jahre hüpft und springt von einem Bein aufs andere, kann auf einem Fuß länger als 10 sek. stehen, klettert auf Zäune, springt vom Tisch herab, zeichnet Menschen mit Kopf und Körper Wortschatz: über 2000 Wörter, spricht grammatikalisch einigermaßen richtig, fragt: "wie schreibt man", definiert einfache Wörter zeichnet nach seiner Vorstellung, zeigt mehr Ruhe und Ausdauer beim Spiel, spielt selbsständig, Mädchen: mit Puppen, Haushaltsgegenständen;
Knaben: mit Autos, Lastwagen, Bauklötzen; Kriegsspiele
kennt 4 Farben, ein 5- Pfennig- und ein 10- Pfennigstück angewiesen auf Gesellschaft und Unterstützung Erwachsener, starkes Familiengefühl, stolz auf die Mutter, weniger aggresssiv, gelegentlich Koller, stampft mit den Füßen, knallt mit der Türe, bittet bei schwiereigen Aufgaben- wenn nötig- um Hilfe

Früherkennung und Vorsorge

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