Konduktive Förderung nach Petö

Die konduktive Therapie nach Petö ist eine umfassende Methode, um Bewegungsstörung bei Kindern zu behandeln. Sie ist darüber hinaus ein pädagogisches Konzept, bei dem Kinder mit Behinderung oder motorischen Störungen gemeinsam in einer Gruppe lernen und gefördert werden.

In Sonderschulen und Kindergärten ist die konduktive Förderung weit verbreitet. Cerebrale Bewegungsstörungen hindern viele Kinder im Alltag, aber dank einer gezielten Förderung nach Petö werden motorische Abläufe neu erlernt und verbessert. Es wird angenommen, dass durch die Schädigung des zentralen Nervensystems eine Bewegungsstörung nicht irreversibel ist, sondern durch Lernen der Bewegungsabläufe das Hindernis überwunden werden kann.

Das pädagogische Konzept der Petö Therapie eignet sich besonders auch im Rahmen der Inklusion, sodass es bereits viele integrative Einrichtungen gibt, in denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen. Auch die Kindergarten-Förderung ist für Kinder mit Bewegungsstörungen im Rahmen der Frühförderung sehr wichtig und viele Eltern entschließen sich nach Einrichtungen zu suchen, die konduktive Pädagogik anbieten. Die Maßnahmen und Übungen können darüber hinaus auch für Erwachsene eingesetzt werden, z.B. nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma.

Wer hat die konduktive Pädagogik erfunden?

Der Begründer Andras Petö war ein ungarischer Arzt, der sein Medizinstudium in Wien absolvierte und der die konduktive Förderung für Kinder mit zerebralen Bewegungsstörungen nach dem 2. Weltkrieg entwickelte. Er erhielt eine Professur im Bereich Spezialpädagogik und führte ab 1952 ein Institut für Bewegungstherapie an der Hochschule für Heilpädagogik in Budapest, dass sich Nationales Institut zur motorischen Therapie nannte. Hier wurden Kinder mit Behinderung und Bewegungsstörungen behandelt, denen das selbstständige Laufen beigebracht werden sollte, da dies damals als Voraussetzung für den Besuch einer Sonderschule war. Auch wurde in der Zeit ab 1960 das System der Gruppentherapie und das Konduktorensystem nach Petö etabliert. Immer mehr Pädagogen wurden zu Konduktoren ausgebildet und die Verbreitung der konduktiven Förderung nahm ihren Lauf.

Für wen eignet sich die Konduktive Förderung nach Petö?

Wenn beim Kind eine motorische Entwicklungsstörung, zerebrale Bewegungsstörung oder andere Störung des zentralen Nervensystems vorliegt, kann die Förderung helfen, Verbesserungen im Bereich Motorik, Sensorik, Kognition und Selbstständigkeit zu erreichen, Nachteile auszugleichen und Alltagstätigkeiten zu verbessern. Wie die Bobath Therapie ist die konduktive Förderung ab dem frühen Alter bereits im ersten Lebensjahr sinnvoll. Das Kind wird von Anfang an übergreifend in allen Förderbreichen, auch in der Kognition, angesprochen. Da immer eigenaktiv mitgemacht werden soll, um den Lerneffekt zu erzeugen, werden Kinder von Woche zu Woche selbstständiger. Auch findet die Methode bei Kindern mit Autismus oder Wahrnehmungsstörungen Anwendung in der Praxis. Das Motto lautet „Hilfe zur Selbsthilfe“. Weniger eignet sich die Methode für Kinder mit einer starken Mehrfach- und Schwerstbehinderung mit Blindheit und Taubheit. Eine Förderung der Hand- und Feinmotorik im Kindergartenalter kann dazu führen, dass viele Kinder bis zum Schuleintrittsalter eine große Entwicklung durchmachen und bereits nach kurzer Zeit Fortschritte bemerkbar werden. Petö sprach davon, dass die Hände das äußere Gehirn des Kindes seien - wer viel mit den Händen macht, wird sich also ganzheitlich entwickeln.

Ziele der konduktiven Förderung - Bereich Motorik fördern

In erster Linie sollen durch die Übungen nach Petö alltägliche Bewegungsabläufe intensiv geschult werden. Die Bewegungsabläufe können durch die Wiederholungen, basierend auf physiotherapeutischen und neurophysiologischen Erkenntnissen, in der Durchführung verbessert werden. Das oberste Ziel dieser kognitiv-motorischen Förderung ist es, den Menschen mit Behinderung so zu fördern, dass er sich weitestgehend unabhängig von fremder Hilfe und Hilfsmitteln bewegen kann und im Alltag zurecht kommt. Dieses übergenordnete Ziel wird in der Förderung auch als Orthofunktion bezeichnet. Defizite können durch Übungen und aktives Erlernen mit der Zeit kompensiert werden und das Kind sich enorm weiterentwickeln. Es werden die Integration und Inklusion gefördert und darüber hinaus verschiedene Rehabilitationsziele angestrebt. Beispielsweise soll die Förderung das Kind positiv in seiner Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen, indem seine individuelle Bewegungs- und Kommunikationsfähigkeit ausgebaut wird und es lernt sich im Alltag möglichst selbständig zurechtzufinden.

Sie möchten mehr über die Methoden der konduktiven Förderungen erfahren?

Konduktive Förderung für Kinder und Jugendliche mit Zerebralparese (Tatlow, 2013)

Bundesverband Konduktive Förderung nach Petö e.V. www.bkf-petoe.de

Europäischer Verband für Konduktive Förderung - European Conductive Association ECA, www.conductiveeducation.eu

Die Theorie der konduktiven Förderung und aktuelle pädagogische Methoden aus der Praxis werden dort gleichermaßen beleuchtet und sinnvoll miteinander verbunden.

 

 

Was sind Konduktoren?

Ein Konduktor oder eine Konduktorin übernimmt bei der konduktiven Förderung die wichtigste Rolle. Der Pädagoge oder die Pädagogin trägt die Verantwortung dafür, dass die Förderaufgaben umgesetzt werden und Förderziele definiert und erreicht werden. Dabei sollen Nah- und Fernziele gesetzt werden und das Kind dazu angeregt werden, mit seinem eigenen Handeln aktiv die Fördermaßnahmen zu erreichen. Ein Konduktor muss die Behinderung und das Zentrum der Bewegungsstörung einschätzen und dort mit gezielten Übungen ansetzen. Die Person stellt die Aufgaben, anschließend sollen die Kinder sich weitestgehend selbstständig einen Lösungsweg suchen. Eine harmonische und positive Stimmung in der Gruppe trägt zum Lernerfolg bei. Es ist außerdem Sorge für medizinische Versorgungsmaßnahmen zu tragen, da manche Kinder anfälliger sind für Infektionen und andere Krankheiten. Ebenso achten Konduktoren darauf, dass individuelle konduktive Fördermaßnahmen eingesetzt werden, um die Fähigkeiten jedes Kindes zu unterstützen. Es werden für jedes Kind individuelle Förderprogramme erstellt, die in den Tagesablauf und die Gruppenarbeit eingebunden werden.

Deutscher Konduktorenverband www.konduktorenverband.de

Konduktive Förderung in der Praxis - Lernen in der Gruppe

Die konduktive Förderung erfolgt in den meisten Fällen in kleineren Gruppen mit Kindern, die ähnlichen kognitive und motorische Störungen haben. Besonders sinnvoll ist die Gruppenförderung nach Petö, weil die Kinder nicht nur von der Konduktorin sondern auch gegenseitig voneinander lernen können und so eine zum Lernen anregende Gruppendynamik entsteht. Über die Sprache werden die Kinder dazu angeregt gezielte Bewegungsabläufe auszuführen. Eine Anerkennung bzw. ein Lob ist sehr wichtig, wenn die Aktivität ausgeführt wurde. Ein wichtiges Element ist zum einen das sog. rhythmische Intendieren über die Sprache als auch die Wiederholung und Verstärkung von Tätigkeiten. Zum Teil werden funktionale, schlichte Hilfsmittel eingesetzt, die nicht von der eigentlichen Übung ablenken sollen. Verschiedene Therapiemöbel werden im heilpädagogischen Alltag in Krippe, Kindergarten, Schule, Internat eingesetzt, darunter Treppen, Sprossenwände, Geländer oder Pritschen.

Im Jahr 2009 wurde ein Urteil des Bundessozialgerichts gefällt, nachdem die Sozialhilfeträger Kosten der konduktiven Förderung tragen, wenn sie im Einzelfall für das behinderte Kind geeignet und erforderlich sind. Man sollte sich im Vorfeld beim Kostenträger und bei seiner Krankenkasse informieren, ob Kosten teilweise übernommen werden.

Der Bundesverband konduktive Förderung nach Petö e.V. ist als Initiative von Eltern, Einrichtungen und Organisationen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer Bewegungsstörung oder Körper- und Mehrfachbehinderung gegründet worden. Die Aufgabe des Vereins ist es, das Rehabilitationskonzept und die Pädagogik der konduktiven Förderung weiter zu etablieren.

Es gibt örtliche Anlaufstellen für konduktive Förderung, an die man sich bei Informationsbedarf wenden kann. Die Adressen erhält man auch über den Deutschen Konduktorenverband www.konduktorenverband.de

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